In Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide ist die Brunft der Damhirsche jetzt in vollem Gang. Immer wieder tauchen auch weiße Hirsche in der Heide auf und sorgen für Staunen. Die Heinz Sielmann Stiftung erklärt, wie die ungewöhnliche Fellfarbe entsteht.
Der Naturfotograf Ingolf König ist regelmäßig ehrenamtlich für die Heinz Sielmann Stiftung in der Döberitzer Heide unterwegs. Über die Jahre hatte er schon mehrfach Glück, einen weißen Hirsch vor die Linse zu bekommen. „Wenn zwischen den Bäumen plötzlich ein weißer Damhirsch auftaucht, hält man unwillkürlich inne. Das helle Fell hebt sich so deutlich von der Umgebung ab, dass die Begegnung fast unwirklich erscheint. Solche Momente haben immer etwas Erhabenes und bleiben mir auch nach vielen Jahren in der Heide im Gedächtnis“, berichtet König.
Weiße Hirsche: sagenumwoben und bei Jägern tabu
Die geisterhafte Erscheinung der weißen Hirsche beflügelt seit jeher die Fantasie der Menschen. In alten Sagen und Erzählungen tauchen sie als mystische Wesen auf. So erscheint dem heiligen Hubertus – dem Schutzpatron der Jäger – der Legende nach ein weißer Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz im Geweih. Unter Jägern gibt es bis heute einen Aberglauben: Wer ein weißes Stück Wild erlegt, stirbt innerhalb eines Jahres. In manchen Gegenden heißt es, der Schütze habe anschließend sieben Jahre lang kein Jagdglück.
Seltene, aber normale Farbvariante
Die helle Fellfarbe hat allerdings eine biologische Ursache: Beim Damwild (Dama dama) gibt es neben der häufigen braunen Färbung mit hellen Flecken auch schwarze, rehfarbene bis hin zu cremefarbenen und weißen Tieren. Für die weiße Farbvariante ist eine Veränderung im MC1R-Gen verantwortlich, das die Bildung der Farbpigmente steuert. „Weiße Tiere tragen diese Genvariante doppelt, haben sie also von Mutter und Vater geerbt. Tiere mit nur einer Kopie sind selbst nicht weiß, können die Anlage aber an ihre Nachkommen weitergeben“, erklärt Rebecca Oechslein, Leiterin der Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide.
Die auffällige Färbung gehört damit zur natürlichen Vielfalt des Damwilds. Sie darf nicht mit Albinismus verwechselt werden, bei dem die Bildung von Farbpigmenten gestört ist.
Große Pflanzenfresser gestalten die Landschaft
Unabhängig von ihrer Fellfarbe übernehmen Damhirsche eine wichtige Aufgabe in der Döberitzer Heide. Gemeinsam mit Wisenten, Rothirschen und Przewalski-Pferden gehören sie zur Gemeinschaft großer Pflanzenfresser, die die Landschaft gestaltet.
„In der Kernzone der Döberitzer Heide wird Dam- und Rotwild nicht bejagt. Die Tiere streifen hier ungestört durch die Landschaft und tragen dazu bei, die Heide und Sandtrockenrasen von Büschen und Bäumen freizuhalten“, erläutert Oechslein weiter. Die Arten fressen Gräser, Kräuter, Blätter und Triebe in unterschiedlichem Maß. So sorgen sie dafür, dass die Landschaft mit ihren offenen Flächen, Gebüschen und Waldbereichen strukturreich bleibt und Lebensraum für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten bietet.
Hirschbrunft erleben vor den Toren Berlins
Während der Brunft von Oktober bis Anfang November suchen die männlichen Damhirsche feste Brunftplätze auf, werben um Weibchen und verteidigen ihre Plätze gegen Rivalen. In der Döberitzer Heide liegen diese Plätze innerhalb der für Besucher nicht zugänglichen Kernzone. Da die Damwild-Population in der Döberitzer Heide zudem deutlich kleiner ist als die des Rotwildes, sind Sichtungen eher selten. Wer die weißen Damhirsche selbst einmal zu Gesicht bekommen möchte, braucht deshalb viel Glück und Geduld.
Bester Ausgangspunkt für einen Ausflug in die Döberitzer Heide ist Sielmanns Natur-Erlebniszentrum in Elstal. Die dortige Ausstellung vermittelt spannendes Hintergrundwissen über die Bewohner des Schutzgebiets, bevor es hinaus ins Gelände geht. Ein 55 Kilometer langes und öffentlich zugängliches Wegenetz bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Heide zu erkunden. Vom Aussichtsturm am Finkenberg reicht der Blick bei klarer Sicht bis zum Berliner Fernsehturm. Hirsche, Wisente und Przewalski-Pferde zeigen sich am ehesten im Herbst und Winter, wenn dünneres Laub den Blick durch den Wald freigibt.
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Weißer Damhirsch in Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide, Januar 2022 (Foto: Ingolf König)